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Voyage, Voyage – Leck mich am Arsch
Der Vorteil ist bei Trennung im Urlaub: die Koffer sind schon gepackt. Doch was kann mal tun, wenn gerade mal 3 Tage von 24 Tagen vergangen sind und man plötzlich alleine da steht? Soll man abreisen, wie es der Partner gemacht hat, oder macht man das Beste aus der Situation und gestaltet sich selbst eine unvergessliche Zeit mit vielen Abenteuern?
Ein kleines Reisetagebuch erzählt diese Geschichte…

War es ein falscher Blick oder ein falsches Wort? Das kann ich jetzt nicht mehr genau sagen. Was eigentlich die Beziehung festigen sollte, endete als mittelgroße Katastrophe, bei der es nur eine Lösung gab: sofortige Trennung für immer.

Tja, und so erkunde ich dieses seltsame Land, in dem alles etwas anders ist im Alleingang. Auf den ersten Blick: Nix für durchtriebene Flittchen wie mich. Es war die Idee eines guten Freundes, dass wir uns für Schweden als Urlaubsziel entschieden hatten. Der ideale Ort für romantische Tage und erlebnishungrige Pärchen: The Land of Elks.

Bereits am Tage unserer Ankunft fiel mir auf, dass hier alles, was man an Musik zu hören bekommt, irgendwie nach A-Teens, ABBA und Eurovision Song Contest klingt.

Der 4.Tag meines Urlaubs war der erste Tag als Single seit nun über einem Jahr Beziehungsleben. Am ersten Morgen war es schon ein komisches Gefühl, im Hotel alleine aufzuwachen.
Ich fühlte mich irgendwie frei und einsam zugleich. Tief im Innersten wusste ich aber, dass die Beziehung schon sehr lange vor dem Aus gestanden hatte und es nur eine Frage der Zeit war, bis das schwebende Damoklesschwert der Erdanziehung nachgeben würde, um uns voneinander zu trennen.
Ich wusste an diesem ersten Morgen auch nicht, ob ich es bereuen würde, dass ich nicht versucht habe, ihn von der Abreise aufzuhalten. Nach der ersten Tasse Kaffee wurden mir allerdings die Möglichkeiten bewusst, die sich mir nun unter den neuen Umständen boten.

Alleine in Stockholm – Das bedeutet, ich kann selbst entscheiden, was ich sehen und erleben möchte. So machte ich mir eine Liste mit den Dingen, die ich in den kommenden Tagen erleben wollte: Shopping, Museum, Spazieren gehen, Kino, Kultur und das schwedische Nachtleben erkunden. Und ganz oben auf meiner Liste stand „Sex mit einem Schweden“! Man sagt ja, ein sexuelles Abenteuer soll über frischen Trennungsschmerz hinweg helfen.

Und so schaute ich mich bereits im Frühstücksraum des Hotels schon einmal um. Der Markt dort bot allerdings kein potenzielles Opfer. Auffällig waren lediglich zwei Damen, die wie ich aus Deutschland zu kommen schienen. Ich gab ihnen für mich die Namen „Gaby und Ingeborg“! Und dann war da noch „Püppchen“ – sie ist blond, richtig blond, grinst den ganzen Tag dämlich vor sich hin, hat eine Pinkfarbene Plüschjacke, einen breiten goldenen Glitzergürtel, enge Hochwasser-Jeans und Nuttenstiefel an, die mit jedem Schritt laut „Klack Klack“ auf dem Fußboden des Frühstückraumes machten. Und glaubt mir, Püppchen lief unerträglich viel auf und ab. Ich warte ja darauf, dass sie noch anfängt zu singen: „Baby hit me one more time“.

Erwähnenswerter waren allerdings Gaby und Ingeborg. Die Damen hatten beide den Charme von nörgelnden Alice Schwarzers. Ich glaube es gab nix, was sie ausgelassen hatten nieder zu reden. Ich werde bei Menschen, die bereits früh am Morgen nörgeln
tierisch aggressiv.

Nörgel-Gaby war in Aktion und Schnatter-Ingeborg gab ihr in allem Recht: „Die Eier sind nicht gut, der Kaffee schmeckt nicht, das Zimmer und der Ausblick sind nicht schön, ich bin anderes gewöhnt, im Radio läuft keine gescheite Musik, das Fernsehprogramm ist nicht Deutsch, ich kann kein Englisch mehr hören, und und und!“

Ingeborg legte dann als Krönung noch den Satz drauf „So viel Sightseeing, wie ich Freizeit habe, kann man gar nicht machen. Nach drei Tagen kennt man die ganze Stadt schon!“

Großes Geschnatter, schlechte Stimmung verbreiten, diese Frauen verdienen ’nen derben Schlag ins Gesicht, naja zumindest waren sie sich in allen Punkten einig.

Ich stellte mir die Frage, warum sie nicht auch vorzeitig abreisen. Anhand meines Ex-Freundes wusste ich ja, das geht ganz einfach!

Am ersten Tag dachte ich, ich erledige schon einmal einen Punkt aus meiner Liste und so ging ich Shoppen!

Angekommen im Stadtteil Kunsgatan (Shopping Meile im Centralen) wusste ich zuerst gar nicht, wo ich hingehen soll. Eine wichtige Anmerkung an dieser Stelle von meiner Seite: Vergesst so Dinge wie den ADAC Reiseberater – die Strassennamen sind zum großen Teil falsch geschrieben und die meisten Geschäfte gibt es nicht oder hat es nie gegeben – zumindest nicht, seitdem der 2. Weltkrieg vorbei ist.

Was mich auf jeden Fall verwunderte war, dass die Nordics (so nennen die Skandinavien sich auch gerne selber), dort in Schweden die gleiche Zeitrechnung mit 24 Stunden wie wir haben. Warum ich mich das fragte? Dort ist alles anders: Im Fernsehen fängt es schon an, dort sitzt ein ganz anderer, fremder Typ in Günther Jauchs Wer-Wird-Millionär Studio. Und die Fragen sind ausnahmslos alle so schwer, was vermutlich an der Svenska Sprache lag. Aber dafür gab es ja auch anscheinend mehr Kohle (in Kronen sieht alles so viel aus). Wenn man überlegt ich habe heute davon mal eben 2000 mit meiner VISA Karte ausgegeben und das Shopping Erlebnis war nicht unbedingt außergewöhnlich groß für ein mittelständisches Büroäffchen wie mich.

Aber wo fange ich an zu erzählen? OK, beginnen wir im Supermarkt: Dort gibt es Dinge, vor denen ich Angst bekommen habe. Es ist sowieso witzig, wenn man keine Bilder auf den Verpackungen hat und nur erahnen kann, was es sein könnte. Ich musste feststellen, dass der Schwede sich seltsame Dinge in die Futteröffnung schiebt. Könnt ihr Euch vorstellen, wie wohl Fisch, Käse, Schinken oder Currywurst aus der Tube schmecken soll? Oder Spaghetti Bolognese und andere Pasta und Suppen, die in einem durchsichtigen Plastikschlauch verpackt sind? Oder schnittfeste Marmelade in Scheiben? Allerdings haben die Fertigmenüs dort wie bei uns in Deutschland die Führung in den Regalen eingenommen mit zwei kleinen Unterschieden: Alles ist undefinierbar und frisch, also ohne Konservierungsstoffe und nicht auf Langlebigkeit getrimmt.

Eine weitere Auffälligkeit ist Sushi – überall Sushi. Ich stellte mir zwischenzeitlich die Frage, ob ich in Schweden oder vielleicht doch mit der falschen Maschine geflogen bin und den Mittleren Osten die Welt im Alleingang erkunden würde? Zu diesem Zeitpunkt wurde mir schnell klar, dass ich am Fisch als Nahrungsmittel nicht vorbei komme. Dann entdeckte ich ABBA im Regal und dachte, das ist auf jeden Fall was Vertrautes. Ich meine natürlich Abba die Fischfirma. Ich habe mich an dem Tag auf jeden Fall mit den Produkten eingedeckt und dachte nur „Hoffentlich erwischen die mich auf meinem Rückflug nicht an der Grenze beim Konserven-Schmuggel“. In Deutschland sind solche Konserven reinstes Luxusgut, dort allerdings super billiges Zeug, sogar günstiger als Katzenfutter.

Weiter ging es am Obstregal vorbei, wo ich auch aus dem Staunen nicht mehr raus kam. Die Früchte sind dort viel bunter und kleiner, nix mit SuperEuroNorm, wo Gurken und Bananen mit falschem Krümmungsgrad mit der Endlagerung auf einer Müllhalde bestraft werden. Es ist bei dem ganzen Europa-Wahn ja nur eine Frage der Zeit, bis Penisse auch eine Vorschrift bekommen, was Krümmung und Größe angehen und es dann für viele Männer heißt: Schnipp schnapp – Nudel ab.

Aber ich war ja gerade eigentlich beim Obst und Gemüse. In Schweden gibt es die ganzen Dinge exotischer Herkunft wie Mangos Papayas, Avocados, Sternfrüchte, usw. für einen Appel und ‘nen Ei. Es scheint dort Standard und kein Snobfood zu sein, oder vielleicht wachsen die ja sogar dort in Nord-Europa, was auch erklären würde, warum ich in der Oberstufe bei Erdkunde eine Super-Niete war.

Und dann Joghurt, den fand ich dort in 1 und 2 Liter Eimern und wieder stellte ich fest, die landeseigenen Produkte sind super günstig. Schokoriegel, die man aus der Heimat kennt, muss man hingegen echt suchen, aber die Auswahl dort an Svenska Schoki ist gigantisch. Die Firma Marabou hat dort vermutlich so an die zwei Tausend verschiedene Riegelsorten.
Eines meiner anderen Lieblingssüßigkeiten gab es auch in einer für mich ungewöhnlichen Darreichungsform, meine heißgeliebten Weingummis.
Sie gibt es dort fast nur an der Frischetheke, zum selbst sortieren. Haribo ist dort Import und so sau-teuer, dass man die auf dem Schwarzmarkt an den Mann bringen könnte. Ich weiss gar nicht mehr, was ich alles dort an essbarem Kram gesehen habe. Die lustigsten, buntesten und undefinierbarsten Teile habe ich zum Probieren gekauft. Wer wäre nicht gespannt darauf, wie ein SchokoladenKäseRiegel schmeckt?

Was Musik angeht, ist dort das Paradies auf Erden. Benny und Björn scheinen dort ein Sternchen nach dem Anderen zu produzieren und es klingt auch immer etwas nach ABBA. Die Beratung in einem Kaufhaus namens AHLENS; ein Kaufhaus so groß wie ganz Lüdenscheid, das Dorf in dem ich aufgewachsen bin; war ein weiteres Indiz für mich, dass die Menschen dort ganz anders ticken als in Good Old Germany.

Dort wird man nicht mit dem klassischen Satz „Die finden Sie da vorne im 3ten Gang irgendwo links.“ abgespeist. Nein, hier begleitet der Verkäufer einen noch zum Regal und gibt noch Empfehlungen zu anderen Bands und Sängern, die einem auch gefallen könnten. Ich habe dann von dem Verkäufer sogar eine Einladung zu sich nach Hause für das kommende Wochenende bekommen, um mich mal durch seine Musiksammlung zu hören.

Vielleicht wird das meine erste schwedische sexuelle Eroberung, dachte ich mir insgeheim. Aber vielleicht dachte er auch nur, ich sei eine gute Partie, ihn zum Verkäufer des Monats zu machen, nachdem ich 20 CDs dort aufgrund seiner Beratung an diesem Tag gekauft hatte.
In Stockholm bewegt man sich am Besten mir der U-Bahn von A nach B fort. Hier hat man echt das Gefühl, dass es an jeder Straßenecke eine Haltestelle gibt und so schaffte ich viele interessante Geschäfte an einem Tag.
Nach meinem exzessiven Shoppen wollte ich den Abend unter sexuell gleich Orientierten ausklingen lassen.

So zog ich an meinem ersten Abend als Frisch-Single durch die Bars und Kneipen von Stockholm. Jedoch musste ich auf der Jagd nach einem charmanten Date, das mich von meiner Trennung ablenken sollte feststellen, dass die einheimischen Schweden anscheinend nicht auf OnightS stehen.

Wenn man auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer ist, kann man das in Schweden allem Anschein nach nur mit anderen Touristen, also Ausländern haben, wie ich in dem Land einer bin. Meine erste Begegnung mit potentiellen Opfern war in einer Bar namens Flino. Der junge Bursche, mit dem ich mich nett unterhalten habe, kam aus Venezuela. Prima dachte ich. Zum einen sollte mir der Spontansex über die gescheiterte Beziehung hinweg helfen und zum anderen hatte meine Weltkarte noch kein Fähnchen in Venezuela stecken. Aber leider wurde daraus nix, denn er war ganz plötzlich in Aufbruchsstimmung, da er noch seine letzte U-Bahn bekommen musste.

Ein anderer scheinbar sympathischer Kerl, dem ich an diesem ersten Abend in meiner neuen Freiheit näher gekommen war, kam glaub ich aus England oder Frankreich. Er wirkte auf mich etwas desorientiert und ich habe am Ende gar nichts mehr verstanden.

Er hatte auch eigentlich kein echtes Interesse an meiner Person oder meinem Körper, denn er war mehr damit beschäftigt, mir von seiner Tante zu erzählen. Er konnte gar nicht verstehen, dass ich seine Tante nicht kennen würde. Er war der Meinung, jeder aus Deutschland müsste sie kennen: Jane Birkin. Im weiteren Verlauf des Abends erfuhr ich, dass sie momentan dabei war, eine neue CD aufzunehmen. Vielleicht hätte ich zu Beginn unseres Gespräches nicht erwähnen sollen, dass mein Hobby Musik ist.

Ich war dann auf jeden Fall froh, als der Sex, der „Laber Sex“ vorbei war. Ja, ihr habt richtig gelesen, es ging um Sex und seine Tante, die seinen Angaben nach den Sex in Europa revolutioniert hätte. Bis zu diesem Abend dachte ich, dass es unsere deutsche Frau Beate Uhse gewesen wäre. Später erfuhr ich aber dann, dass der junge Mann nicht ganz unrecht hatte. Seine Tante war der musikalische Porno der frühen 70’er Jahre mit „Je t’aime … moi non plus“. Das Gespräch fand dann auch mangels weiterer Inhalte sein Ende und ich ging alleine von dort weg.

Zurück im Hotel musste ich bei dem netten jungen blonden Mann an der Rezeption kennenlernen und über leichten Smaltalk was Stockholm und die sehenswerten Plätzen dort anging führte uns meine deutsche Herkunft auf ein besonderes Gesprächsthema: Gaby und Ingeborg.

Er dachte schon ich wäre zusammen mit diesen beiden schrecklichen Hühnern in Schweden. Jeden Morgen vor dem Betreten des Frühstücksraums, beschwerten sie sich immer an der Rezeption über irgendwas. Selbst über eine zu früh gefahrene U-Bahn, wo das Hotel mal gar nichts dran ändern kann, wurde sich beschwert.
Ich konnte nicht anders und musste wie ein Stasi-Spitzel sie auch mit meinen Beobachtungen an den Pranger stellen. Es war eine unterhaltsame Möglichkeit für uns beide unseren Aggressionen gegenüber dieser Schnaken etwas Luft zu machen.

Nachdem er mir dann zu verstehen gab, dass er einen Kontrollgang durch die Etagen machen musste, setzte ich mich noch an eine der beiden Internetplätze in der Lobby um Kontakt zu meinen Freunden in Deutschland aufzunehmen. Zur grossen Freunde war dieses Internet-Café kostenlos.

Zurück in meinem Hotelzimmer war mir eins dank Internet und dem ersten Abend in der kleinen schwulen Bar klar geworden: Die schwule Welt dort ist nicht sehr groß in Stockholm und es ist trotz Metropole alles sehr familiär.

Warum es dort keine Szene gibt, wie man sie von unseren Großstädten kennt? Es ist dort eigentlich etwas Normales schwul zu sein und daher braucht man auch keine Ghettos. Dort ist man überall schwul oder hetero und es sorgt für kein Aufsehen. Auf jeden Fall verändert dieses Land mein Denken über die Menschen in Deutschland schon nach den ersten Tagen.

„Du bist aus Deutschland, klasse!“ So oder ähnlich reagieren die Schweden allerdings auf uns. Ich verstehe allerdings nicht, was die Schweden so toll an uns finden. Wir müssten uns schämen. Die Sven’s sind freundlicher, höflicher, hilfsbereiter, umweltbewusster, ehrlicher, charmanter und sehen zudem noch besser aus. Das Leben kann so schön sein und das merkt man dort besonders am Essen, an der Natur und an der Musik. Aber vielleicht finden die Deutschland auch nur so klasse, weil bei uns der Alkohol ein Drittel von dem kostet, was die Schweden dafür bezahlen müssen.

Mir ist auch aufgefallen, dass die Musik dort überall anders ist. Frustrierende HipHopScheisse und R’NB-Muell und Rapper-Zeug gibt es dort nur minimal. Dort ist Musik noch etwas Fröhliches, an dem man Spaß hat. Zum Glück ist es dort so gut wie gar nicht amerikanisiert, zumindest hat man als Tourist das Gefühl, Coca Cola ist nur ein unauffälliges Nebenprodukt und bei „American Way of life“ fragt man sich hier: Was ist das? Warum haben wir in Deutschland nicht so viel eigene Kultur und Vaterlandsstolz wie die Menschen dort? All solche Fragen bewegten mich am ersten Abend.

An meinem ersten Abend blieb zwar die zweite Betthälfte in meinem Hotelzimmer leer, jedoch war mein Horizont an Allgemeinbildung um einige Informationen reicher.

Tag 5 des Urlaubs war der zweite Tag in meinem Single-Dasein. Schon am zweiten Tag alleine dort wurde ich nachdenklich und kam mir so richtig scheiße vor und ich dachte nur “Zum Glück sehen die Schweden uns nicht mit meinen Augen.”

Die Krönung kam wenige Minuten nach mir zum Frühstück an: Gaby und Ingeborg!
Schon beim Betreten der Frühstücksarena schallte die giftige Stimme von Gaby durch den Raum.
„So etwas habe ich noch nie erlebt, keiner versteht Deutsch und das Preis-Leistungsverhältnis in diesem Land steht in keiner Relation…bla bla blub!“
Ich hatte noch nicht einen Schluck aus meiner Kaffeetasse getrunken und dachte nur „Am besten hält sie jetzt die Schnauze. Wenn die in den nächsten Tagen das Motzen nicht aufhört, polier ich ihr die Fresse oder ich beiße mir meinen rechten Arm ab. Die Frau ist krank, eine ungef… Emanze. Ich bin ja auch inzwischen schon seit einigen Tagen hormonübersteuert, aber ich nerve doch nicht meine Umwelt.

Mich würde nicht wundern, wenn es in den kommenden Tagen dort stürmt oder sogar schneit. Wenn ich die Sonne wäre, hätte ich keinen Bock darauf, solch einer das Gesicht auszuleuchten und ich würde mich hinter den Gewitterwolken, die diese Frau produziert, verstecken.

Ingeborg war auch wieder in ihrem Element, Gaby in allem Recht zu geben. Da haben sich echt zwei gesucht und gefunden.

An diesem Tag war mein Plan, tagsüber nix Spezielles zu planen. Ich wollte einfach die Menschen und die Stadt auf mich wirken lassen und gegen Abend auf eine schwule Party gehen, die ich am Abend zuvor im Internet entdeckt hatte.

Gegen Mittag war ich einen Schritt weiter, was den schwedischen Alien-Frass angeht.
Mir kommen die ganzen Speisen immer noch vor wie von einem anderen Planeten. Ich habe „Rudolf-Rednose-Schinken“ gegessen. Also Rentier schmeckt echt lecker, fast wie Rind. Heißt das eigentlich Rentier oder Renntier? Egal, auf jeden Fall läuft eins weniger von denen rum.

Dann habe ich den ersten und auch letzten schwedischen Kartoffelsalat gegessen, besser gesagt zur Hälfte weggeschmissen. 90% Majo 10% Kartoffeln. Mein Fettbedarf für die nächsten 30 Jahre war von da an gedeckt. Und ich entdeckte noch etwas auf dem Tisch neben mir: „Bloodpudding“ – Es sieht auch so aus wie es sich anhört. Blutwurst ist ja schon Hardcore, aber diese Glibbermasse, nur bei dem Gedanken wurde mir schon ganz übel und Rudolf stand kurz davor wieder das Tageslicht zu erblicken.

Ich überlegte kurz, ob ich damit eine kleines Horror-Szenarium in meinem Hotelzimmer bastel um die Putzfrau zu erschrecken. Ja, was anderes kann man mit Blutpudding doch nicht machen – Leute, wer tut sich denn so was an?

Beim U-Bahn fahren kann man in Stockholm sehr viel flirten, leider oder vielleicht zum Glück bleibt es immer dabei. Man kann so viel über die verschiedensten Menschen erfahren, wenn man den Blick durch die Reihen schweifen lässt.

Man fühlt sich beim genauen Betrachten aber auch schnell wie ein Aussätziger, wenn man nur so dasitzt und durch die Gegend guckt. Alle anderen haben Knöpfe im Ohr zum Musik hören, oder die kostenlose Metro Tageszeitung oder ein Buch in den Händen und lesen, oder sie telefonieren mit ihren Handys. Ich stellte mir die Frage, ob das bei uns in Deutschland auch so ist?

Jeder, der sich also mit nix beschäftigte außer durch die Reihen zu blicken wurde wie ein Terrorist oder Zombie angestarrt, so als ob man jeden Moment aufspringt und eine Bombe zündet, oder jeden Moment seinem Sitznachbarn in die Schulter beißt.

Und ich stelle mir seit diesem Tag die Frage, was „lonström“ oder so ähnlich heißt. Das hat jemand zu seiner Frau gesagt und die war sofort beleidigt und ist ausgestiegen.

Am Abend ging ich in die Club-Disco „Connect“. Ich fühlte mich zwischen den ganzen Modepüppchen eher wie ein Ladenhüter, der noch nicht mal mit der Aufschrift „Sale“ einen Abnehmer finden würde. Für eine Zeit lang habe ich einen der Kerzenständer beobachtet, um nicht aufzufallen.

Ich glaube, nur eine Person, die einzige Transe in dem Laden, war verstörter als ich. Stellt Euch dazu eine über 2 Meter große Glamour-Oma mit markantem Gesicht und polnischem Make-Up vor, die zudem Klamotten einer 1,75 Meter grossen Tochter von Bonny Tyler und Dolly Parton trägt. Ein absoluter Kontrast zu den sonst so schillernden Herren im Fummel, die man sonst aus Szene-Clubs kennt.

Die Menschen dort sind auf der Tanzfläche einfach nur Party. Ja, sie leben dieses Wort. Jeder tanzt irgendwie mit jedem, egal ob dick, dünn, blond, Frau oder sonstiges. Es ist alles etwas lockerer und unbeschwerter, allerdings scheine ich die Frauen in dieser Stadt anzuziehen wie ein Fliegenfänger. Bereits am Vortag im Flino hatte ich andauernd irgendwelche Brustträgerinnen in meiner 30 cm Schutzzone. Man muss sich dazu das Ganze so vorstellen, wie in einem mit Bällen gefüllten Becken im Möbelhaus-Kinderparadies. Mich gruselt es ein wenig. Aber versuch das mal einer Agnetha oder einer Frida klar zu machen, wenn die dich mit ihrem Charme umnebelt.

Was mir im Flino darüber hinaus aufgefallen ist: Die Schweden vertragen keinen Alkohol. Ab 1 Uhr fallen die um wie die Fliegen. Dabei ist es für so manchen sehr hilfreich, dass die Discos dort überfüllt sind. Der einzige Gedanke, der mich andauernd quälte, wenn sich einer dieser Adonisse an mir abstützte, war „Bitte kotz mich nicht voll.“ – Es ist schließlich nicht des Touris Wunsch, mit Adoniskotze am Körper zurück ins Hotel zu gehen. Ich will schließlich in der Tunelbaan, wie die U-Bahn hier heißt, nicht unbedingt ein Außenseiter sein. Auch wenn es vielleicht ein Vorteil sein kann, ein ganzes Abteil für sich alleine zu haben.

Apropos Außenseiter. Raucher sind dort schon seit Jahren die Außenseiter Nummer 1. Wenn die dort Lungenschmacht bekommen, müssen die sich entweder in eine telefonzellen-große Abluftkabinen stellen (funktioniert genauso wie eine Dunstabzugshaube überm Herd), nach draußen vor die Türe gehen, oder mit viel Glück gibt es so eine Art Wintergarten (Plastikzelt der billigsten Klasse).
Dass die Kneipen nicht mehr nach Nikotin riechen, bringt allerdings mit sich, dass die Tanzbunker nach Menschen riechen.

Toll. So wirst Du geil, nur wenn einer an Dir vorbei geht und leicht nach Mann riecht. Grunzzzz Grunzzzz Grunzzz. Zum Glück halten die Menschen dort mehr von der Körperpflege, als so viele andere europäische Völker. Und so stand ich an diesem Abend in dem Geschehen zwischen all den gutaussehenden Olaf Olafsons, Björn Björnsons, Erik Eriksens und Christan Andersons und beobachtete mein Umfeld.

Ich stellte bei meinen Beobachtungen auch fest, dass fast jeder in der heimatlichen Düsseldorfer Hemisphäre dort in Stockholm einen Doppelgänger hat: Dort gibt es von allen auffälligen Szenegestalten eine Svenska Version in allen Größen und Breiten. Selbst Prominente trifft man dort (wenn auch nur ihre Double). Die geilsten Doubles, die ich bisher gesehen habe waren, Brad Pitt und Captain Kathrin Janeway vom Raumschiff Voyager. Sie stolzierte in Ausgehuniform und mit Hochsteckfrisur durch ihren Laden und hat ständig nach dem Rechten geschaut. Und Brad hat einfach nur einen Körper und eine Fresse, die für das F-Wort geboren ist.

Svenska Schlager ist super geil zum Tanzen und so merkt man gar nicht wenn es plötzlich 3 Uhr ist, und man sich beeilen muss, um seine letzte Bahn zu erreichen Das Schöne an Schweden ist , dass die Ausgehzeit früher beginnt und somit ist die Partyzeit auch früher zu Ende.

Wieder in dem Hotel angekommen, setzte ich mich in das Internet Café in der Lobby. An diesem Abend saß an einer der beiden Surfstationen ein unangenehmer fieser Kerl.
Er müffelte tierisch nach altem Schweiss und war dabei, mit einer Breit-Beinig-Gespreizten-Internet-Schlampe zu chatten. Das Foto mit der Muschi in Großaufnahme war nicht zu übersehen. Dabei drückte er sich immer wieder sein Schwänzchen in seiner Jogginghose nach unten. Ich konnte mich gar nicht auf meinen Bildschirm konzentrieren. Er schnauft grinsend die ganze Zeit und hatte Schweißperlen auf der Stirn. Ich hielt es neben diesem Widerling nicht sehr lange aus und ergriff die Flucht auf mein Zimmer, bevor ich ohnmächtig vom Hocker fiel.

Zurück in meinem Zimmer musste ich einsehen, dass auch diese Nacht die zweite Betthälfte neben mir leer bleiben würde.

Der nächste Morgen in dem Hotel begann in dem Frühstücksraum mit einem Selbstgespräch:
„Lass die Finger dort im Hotel von diesem Bübchen, der immer um Dich herumschleicht.“
„Aber der ist doch so süß.“
„Süß? Ich bitte dich. Der ist doch höchstens 12 oder 13 und könnte Dein Sohn sein.“
„Aber der lächelt mich immer so an. Und er spielt in seiner Hosentasche immer mit seiner „Playstation“ und zwinkert mir immer zu.“
„Lass das. Du kommst noch hinter schwedischen Gardinen, die dürfen dort erst ab 15 gevögelt werden.“
„Vielleicht ist er ja doch schon 15, sieht nur jünger aus.“
– Naja wie die Geschichte weitergeht, erfahren wir an einer anderen Stelle.

Ein weiterer Tag, der begonnen hatte, ein weiterer Tag in Svenska Stockholm und wieder gab es einen interessanten Menschen, der mir begegnet war. Bei dem Frühstück an diesem Morgen habe ich eine sehr interessante Frau kennen gelernt, die mich dann auch von dem Bübchen abgelenkt hatte.

Sie war Musikautorin aus Australien und sie schrieb zurzeit für eine schwedische Firma Songs für eine erfolgreiche Boyband aus Deutschland. Ich musste mich fragen „Haben wir eine erfolgreiche Boyband, die englische Lieder singt?“ Leider wusste sie den Namen nicht. Wie ich im Verlauf des Gespräches dann auch erfuhr, muss man wohl in dem Geschäft gar nicht wissen, für wen die Songs am Ende sind. Für mich war diese Aussage schon sehr seltsam, aber interessant. Es war für sie einfach nur ein Arbeitsauftrag wie viele andere.
Nach dem unterhaltsamen Frühstück mit Eleonora hieß es für mich Sightseeing mit Bus und einem Boot machen. Die Sonne war an diesem Tag bei wolkenfreiem Himmel ein absoluter Genuss. Schon witzig, in Stockholm rennen die Leute in dieser Jahreszeit mit Schals und Handschuhen direkt neben denen mit Sommerhose und T-Shirt herum.
Manche haben anscheinend noch nicht mitbekommen, dass Sommer ist oder trauen dem Braten noch nicht wirklich.

Auf dem Boot habe ich einen kleinen melancholischen Anfall bekommen. Irgendwie kamen Erinnerungen an die gerade beendete Beziehung in mir hoch und dass ich all diese schönen Erfahrungen mit niemandem teilen konnte. Unter der Musik von ABBA und einigen Klassikern wurde über Kopfhörer alles sogar in deutscher Sprache beschrieben. Dadurch habe ich erfahren, dass ich noch so viel dort erkunden muss: Astrid Lindgren, Freilichtmuseum, Zoo, Oper, Museum für Schifffahrt, Museum der modernen Kunst, Vasa Museum (kein Knäckebrot. Ist ein Prachtschiff, das nach 20 Minuten Fahrt im Hafen wegen fehlerhafter Konstruktion gekentert ist) und, und, und so vieles mehr.

Ja, und die schwedischen Männer musste ich ja endlich mal erkunden, in der Hoffnung dass mir ein sexuelles Abenteuer auch über den Trennungsschmerz hinweg helfen würde. Und so ergab es sich, dass ich schnell wieder in den Flirt-Modus umgeschaltet hatte und auf dem Boot ein bisschen mit meinem Nachbarn füßelte. War schon witzig, haben aber dennoch kein Wort gewechselt. Wie zwei frisch verliebte Teenager vorm ersten Mal gaben wir uns gegenseitig immer wieder flüchtige scheinbar zufällige Berührungen. Bei genauerem Beobachten stellte ich fest, dass er den italienischen Kanal 4 aktiviert hatte. Und ich war auf 6, wo sie den deutschen Erklär-Bär hin gepackt hatten.
Ein flüchtiges Lächeln und zaghaftes „Tschau!“ beim Verlassen des Bootes beendete diesen Flirt. Nach ein paar weiteren flüchtigen Blicken und breitem Grinsen verloren wir uns in der Menschenmasse vor dem Bootsanleger aus den Augen.

Meine Füße taten von dem vielen Laufen an diesem Tag weh und so entschied ich mich, noch ins Kino zu gehen. Ein Film mit der Kennzeichnung „engls tal“, was bedeutete, er war in englischer Sprache mit schwedischem Untertitel.

Die Werbung hatte so wie ich es schon im TV feststellte einen viel höheren Unterhaltungswert, als bei uns in Deutschland. Fast jeder Spot war ein spannender oder lustiger Film.

Nach dem Werbeblock ging das Licht wieder an, so wie wir es aus Deutschland kennen. Doch dann kam kein Eis, wie noch in so manchen Kinos bei uns, sondern eine „Film-Stewardess“.

Genauso wie im Flugzeug: Sie stellte sich vor die Leinwand, der Saal verstummte und alle klebten an ihren Lippen. Es kamen die Sicherheitshinweise „die Notausgänge befinden sich hinten und vorne jeweils an den Seiten und so..//..Handys bitte ausschalten..//..leise mit den Popcorn Tüten knistern, sonst darf der Nachbar einem alles weg essen..//..ein paar Worte zum Kino & zum bevorstehenden Film..//.. Danke ans Publikum..//..und bei Problemen kann man sich ans Personal wenden.“ Die Rede dauerte so etwa 5 Minuten und es gab sogar Applaus, als sie fertig war.

Und ich dachte nur „da haben wir mal wieder den Respekt und den Sinn für guten Service, in Schweden kann man ihn finden!“

Nach dem Kino wollte ich nur noch eins: zurück ins Hotel.
Dort angekommen saß wer wieder an einem der Rechner in der Lobby? Der Stinker in seinem grünen T-Shirt! Ich nahm mir einfach mal die Freiheit heraus und öffnete das Fenster neben den Internet-Plätzen, worauf der Portier schmunzeln musste. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass er auch den Gestank wahrgenommen haben musste, den dieser Kerl verbreitete.

Nach wenigen Minuten verließ der Stink-Schreck die Lobby und murmelte irgendetwas vor sich hin. Vermutlich wurde es ihm in seinem T-Shirt und seiner Jogginghose zu kalt. Ich stellte eine viertel Stunde danach fest, der Typ ist weg, aber der Schweißgeruch ist immer noch in der Luft, uuuuaaaaah.

Ich fragte mich, was der dort gemacht hat? Der Schweißgeruch kneift immer noch…und ein leichter Brechreiz brannte im Hals. Ich stellte mir sogar die Frage, ob ich das sei, aber das konnte nicht sein. Ich dusche schließlich jeden Tag.

Ablenkung von dem Geruch bekam ich dann durch so einen Schnuckel, der zu so später Stunde vor die Türe zum Rauchen ging. Das Rauchen ist ja in Schweden überall in öffentlichen Gebäuden streng verboten und die Menschen haben dort auch anscheinend kein Problem damit, sich dem anzupassen. Es ist schon irgendwie lustig anzusehen, wenn die Raucher wie Aussätzige bei Wind und Wetter nach draußen gehen müssen.

Mir war beim Betrachten dieses netten frierenden Kerlchens klar, wenn der gleich wieder vom Rauchen rein kommt, löse ich mich vom Rechner, um mit ihm gemeinsam im Aufzug fahren zu können. Ja, so underfuckt war ich, dass ich auf solche Tricks zurück greifen wollte. Außerdem bekam ich schon Sodbrennen von dem immer noch im Raum stehenden Schweißgeruchs.

Ich dachte nur „hoffentlich kotze ich den Schnuffel gleich im Aufzug nicht voll!“
Dann kam die Sahneschnitte rein, grinste mich an und ging an mir vorbei auf die Toilette in der Lobby. Wie ich an am Vortag schon feststellte, gab es dort 5 Unisex-Toiletten. Männlein und Weiblein werden in Schweden oft auf seltsame Weise nicht getrennt.

Nach 5 Minuten war er immer noch nicht zurück und das weckte meine Neugier, nur leider zu spät. Als ich rein ging, kam er gerade raus. „Mist!“ dachte ich „Chance verpasst!“

Als ich dann zurück von der Toilette kam, saß er allerdings an dem zweiten Rechner und so setzte ich mich zurück an meinen.

Nach weiteren 15 Minuten stand er auf und ging erneut zur Toilette. Ich dachte nur „so eine schwache Blase kann doch keiner haben!“ und folgte ihm.

Dort vor dem WC stand er dann, guckte mir tief in die Augen, ging zu einer Kabine, blieb im Türrahmen stehen und griff sich in den Schritt.

Da dachte ich, das sieht doch verdammt nach einer Einladung aus. Bin zu ihm hin, er hat mich dann rein gezogen und die Tür hinter uns verschlossen. Nach ca. 3 Minuten Fummelei und wildem Geknutschte haben wir uns dann entschlossen, auf eines unserer Zimmer zu gehen – auf meins um genau zu sein.

Wie sich dort herausstellte war das Date dann leider nicht so der Brüller. Schön sein alleine ist nicht alles! Wir waren tierisch ungewöhnlich schnell am Höhepunkt angekommen. Mein Überdruckventil war ja schon seit Tagen überlastet und er war sowas von überdreht und hektisch, dass ich das Gefühl hatte, der stirbt mir gleich an einem Herzinfarkt in meinem Hotelzimmer.

Das darf man sich gar nicht vorstellen, wenn das passiert wäre. Ich hätte ihn dann vermutlich wieder angezogen, ins Treppenhaus geschleift und ihn dort für ein schwedisches CSI Team abgelegt. Er war ein ganzer Kerl, so um die 100 Kilo auf über 2 Meter Grösse verteilt, mit einer trainierten Bauarbeiterfigur. Ich hätte ja eher auf Russe getippt, aber er war sich selbst sehr sicher, Schwede zu sein.

Somit war zwar meine zweite Betthälfte immer noch nicht gefüllt, aber dennoch war ich zufrieden. Das Eis der sexfreien Urlaubszeit war gebrochen und ich konnte behaupten, einen Schweden gehabt zu haben.

Nachdem ich dann einigermaßen ausgeglichen am nächsten Morgen in den Tag startete, dachte ich, dass mich nichts aus der Ruhe bringen könnte. Im Frühstücksraum angekommen entdeckte ich als erstes Püppchen. Sie trug einen neuen rosa Fummel mit anderen Nuttenstiefeln. Echt lustig! Ich fing an zu glauben, dass sie auch keinen anderen Farbton an ihren Körper lassen würde.

Als Highlight hatte ich an dem Morgen eine tolle Begegnung an der Kaffeemaschine. Seinen Namen habe ich nicht richtig verstanden, es klang irgendwie nach einem Möbelstück aus ‘nem IKEA Katalog. Daher heißt er für mich jetzt das „Fick-Gesicht“.

Fick-Gesicht könnte gut in einem Vampir-Film mitmachen, bei dem er seine Opfer mit einem Blick erstarren lässt, um sie dann in Ruhe zu beißen. Bei dem intensiven Blick mit seinen blauen Augen würde ein hypnotisiertes Kaninchen sogar Möhren mit Knäckebrot verwechseln. Ein Schlafzimmergesicht schmückt diesen trainierten Körper und ein leckeres Parfüm und diese schwedische Erotikstimme erledigen ihren Rest. Ich war so durcheinander, dass ich in die Tasse den Orangensaft und in das Glas den heißen Kaffee geschüttet habe. Nachdem er dies mitbekommen hatte und darüber schmunzelte war ich ja schon drauf und dran zu sagen, dass man das in Deutschland so macht. Aber selbst dieser coole Spruch ist mir nicht über meine Lippen gekommen und so setzte ich mich an einen Tisch und versuchte nur ins Leere zu schauen. Oh Mann, war mir das peinlich.

Ich folgte dann auch einem Gespräch am Nachbartisch, bei dem ich erfuhr, dass an dem Tag „Waldpurgisnacht“ (ich weiß gar nicht, wie man das schreibt) sei. Als weitere Information schnappte ich auf, dass diese Nacht in Svenska ein Volksfest ist, wo die Winterhexen verbrannt werden. Apropos Hexen, wo sind eigentlich Garby und Ingreborg abgeblieben? Sind die etwa schon abgereist, aus dem Hotel raus geflogen oder liegen die irgendwo vorbereitet und fest verschnürt für die Feier am Abend?

Wenn das für die Schweden so eine hoch-heilige Party neben dem Middsomma ist, dann gibt es vermutlich dazu jede Menge Elchblut zum trinken, Knäckebrot mit Lachs aus der Tube als kleine Snacks und zum Finale gibt es dann eine schwedische Schneeballschlacht, bei der sich alle mit Köttbullar-Bällchen bewerfen. Ich finde Hexenverbrennung auch viel cooler als so ‘nen Jesus ans Kreuz zu nageln und ihn ein paar Tage später wieder aufstehen zu lassen. Somit war mir klar, dass ich am Abend bei dieser Party mit ums Feuer tanzen muss!

Tagsüber schlenderte ich ein wenig durch die Stadt, um mir ein paar historische Gebäude anzuschauen. Dabei stieß ich auf eine gesperrte Straße mit vielen Menschen in der Nähe vom Palast. Ich fragte mich, ob die schon am helligten Tage mit den Verbrennungen der Hexen anfangen.

Ein paar nette Schwedinnen gaben mir dann die Auskunft und so erfuhr ich, dass die alle auf die schwedische Königin warten. Das erklärte auch die zahlreichen blau-gelben Fähnchen, die die Menschen dort in Massen mit sich trugen. Und so wartete ich mit auf die Dancing-Queen, ich meine Svenska-Queen um ein bisschen Winke Winke am Straßenrand zu machen. Meine Gedankengänge wurden immer skurriler. Ich stellte mir vor, dass die Königin gleich mit so einer Fackel wie bei den Olympischen Spielen hier angerannt kommt, um die erste Hexe anzuzünden. Oder vielleicht kommt sie ja selbst auf einem Besen angeritten.

Es war anstrengend, am Straßenrand zu stehen und auf die Queen Sylvia zu warten. Nach etwa einer Stunde an dieser windigen Kreuzung hörte man anhand der jubelnden Massen, dass sie zu kommen schien. Ich hatte ja erwartet, dass die so richtig aufwändig mit Kapellen und allem Tam Tam durch die Straßen ziehen würde, aber nix da. Nur eine Handvoll Reiterstaffeln, zwei Kutschen und das Ganze zog so schnell durch die Straße, dass der Zauber innerhalb von nicht einmal 2 Minuten schon vorbei war. Ich habe nie zuvor Kutschen so schnell fahren gesehen.

Entweder waren die Pferde mit Energy-Drinks zugedröhnt, der Kutscher wollte Michael Schumacher Konkurrenz machen, oder die Queen musste einfach nur dringend aufs Klo. Das Warten hatte sich dafür also nicht wirklich gelohnt. Interessant fand ich nur, dass die Kapelle an dem Palast nach der Nationalhymne die Greatest Hits von ABBA gespielt hatte. Damit habe ich nun absolut nicht gerechnet und musste feststellen, dass dieses fast einstündige Gratiskonzert das eigentliche Highlight an der Ecke war.

Danach suchte ich noch ein paar nette Cafés und sehenswerte Gebäude auf. Gegen Abend dann folgte ich dem Plan vom Morgen und ging zu einem der zahlreichen Scheiterhaufen, um mir dort kleine betrunkene Schweden anzugucken. Der nette Mann von der Hotelrezeption hatte mir gesagt, dass das mit der Hexenverbrennung für den jungen Schweden zweitrangig sei. Im Grunde sei das ein einziges großes Besäufnis und verglich das mit dem deutschen Karneval.
Und so machte ich mir dann ein Bild von der Walpurgisnacht. Über der ganzen Stadt lag der Geruch von Feuer und überall waren leichte Rauchschwaden zu sehen. Die Boys und Männer sind heute echt sehr zugänglich. Die hohe Anzahl an Besoffenen, die vermutlich den Weg nicht mehr nach Hause finden würden, bestätigte den Vergleich mit Karneval.

Ich befand mich mit meinen Beobachtungen im Stadtteil Skansen, wo das Hauptfeuer war.
Es gab sogar ein paar Mutige, die sich als Hexen verkleidet hatten. Oder es waren Echte und sie genossen es, an diesem Tag mal vor die Türe zu gehen ohne aufzufallen. Man hatte wirklich das Gefühl, ganz Stockholm oder besser gesagt ganz Schweden sei an diesem Tag auf den Beinen.

Plötzlich stand ein gut angetrunkener Kerl so Anfang 20 neben mir, der mir irgendwas auf Schwedisch erzählen wollte. Als ich ihm verständlich gemacht hatte, dass ich kein Wort verstehe und aus Deutschland komme, jodelte er kurz und warf ein nicht zu überhörendes „Deutschland!“ in die Menge, grinste und sagte zu mir „Hi!“ Ich grinste zurück und sagte auch dieses bedeutsame Wort, was man in jeder Sprache versteht:“Hi!“
Schwubs, hatte ich seine Zunge in meinem Hals und er knutschte wild mit mir rum. Nach etwa einer halben Stunde Rumgeknutsche am Feuer entdeckte uns eine Gruppe Bekannter von ihm. Die Gruppe entschuldigte sich bei mir für sein dreistes Verhalten und sie gaben mir zu verstehen, dass er jetzt nach Hause müsse da er zu betrunken sei. Na ja, so ganz nüchtern war ich inzwischen auch nicht mehr, da er beim Küssen immer wieder zwischendurch mich mit seiner Wodka-Flasche abgefüllt hatte.

Nachdem er dann mit seinen Freunden verschwunden war und ich alleine dort am Feuer stand, kam ein anderer Schwede zu mir und sagte mir auf Englisch, dass ich wohl ein guter Küsser sei. Ich dankte für das Kompliment und sagte, dass ich das selbst nicht beurteilen könne und schwubs hatte ich seine Lippen an meinen kleben.

Ich dachte nur „Das ist wirklich wie Karneval, nur noch unkomplizierter!“ Auch wir wurden dann wieder durch einen etwas älteren Burschen unterbrochen. Dieser gab mir zu verstehen, dass der Knutscher sein Bruder sei und er auf ihn aufpassen müsse. In dem Moment fragte ich, wie alt er denn sei und bekam die Antwort: „Sechzehn“. Diesmal entschuldigte ich mich dafür, dass ich nicht früher gefragt habe, worauf hin beide mir klar machten, dass es schon in Ordnung sei, schliesslich wäre ja Walpurgisnacht.
Beim Weggehen der beiden Jungs erwähnte der Kleinere der Beiden noch einmal, dass er es nun auch bestätigen könne und ich ein guter Küsser sei. Das wärmende Feuer und die Komplimente taten mir sehr gut und ich dachte daran, was ich alles verpasst hätte, wenn mein Ex-Freund nicht abgereist wäre.

Das Feuer war fast heruntergebrannt und so entschloss ich mich, dann auch zu gehen und es stand für mich nur noch die U-Bahn Fahrt zurück zum Hotel an. Überfüllt und abgefüllt! Züge und Jugendliche. Eine echte Horrorfahrt stand mir bevor. Alle um mich dünsteten Alkohol aus oder stanken bereits nach Kotze. Grauenhaft! Körper an Körper gepresst mit betrunkenen jungen Menschen, die auf Schwedisch Volkslieder trällern. Am Schrecklichsten finde ich ja diese Britney Lolita Girls, die es auch bei uns in Deutschland gibt und ich musste feststellen, dass diese Gattung von Weibern sich in keinem Land benehmen kann.

In dem McDonald, den ich noch kurz vor dem Hotel für zwei Cheeseburger aufgesucht hatte, gab es dann noch eine Live Kotz-Show. Da hat sich so eine Uschi kurz vor der Theke übergeben und ihre Freundin hat dann aus Sympathie gleich mitgekotzt. Einfach lecker, ich liebe es! Ich saß ca. 3 Meter von dem Geschehen entfernt und biss genüsslich in meinen Burger. Irgendwie war bei diesem abgedrehten Szenario der Unterhaltungswert höher als mein Kotzgefühl. Des Weiteren fand man auf dem Nachhauseweg noch reichlich Besoffene, Heulende, einige Eck-Pisser und jede Menge Leergut und Kotzflecken vor. Ich bin ja hart im Nehmen, dank der Großstadt in der ich in Deutschland lebe.
Ich bin dann also auf und zurück ins Hotel.

Als die automatische Tür der Lobby sich öffnete, musste ich sofort eins feststellen: Das Stinktier ist wieder da. Ohne ihn gesehen zu haben und ganz ohne hellseherische Fähigkeiten. Er trug die gleichen Klamotten und ein beißenderer Geruch als zuvor machte sich breit. Ich hatte das Gefühl, ihm gleich mein Fastfood auf sein grünes Hemd kotzen zu müssen. Für den nächsten Tag nahm ich mir vor, das Raumspray aus dem Hotelzimmer mit runter zu bringen, falls der es noch einmal wagt, sich neben mich zu setzen. Grauenhaft. Merken solche Menschen es nicht selber, dass sie zum Himmel stinken?

Eigentlich wäre ich hoch auf mein Zimmer gegangen, jedoch wollte ich noch schnell meinen Freunden von dem Hexenverbrennungstag per E-Mail berichten.
Bah, jetzt rülpst die Sau auch noch dort neben mir rum? Was soll ich denn dagegen machen? Ihm ans Bein pinkeln oder einen Furz ablassen? Ich meine, Waldbrände bekämpft man ja auch mit Gegenfeuer. Ich musste dann doch erst einmal dort zwischenspeichern und Luft tanken gehen.

Etwa eine Stunde später wagte ich noch mal einen Blick in die Lobby, da ich noch nicht schlafen konnte. Der Stinker war weg und an der Surf-Station wo ich zuvor gesessen hatte saß jetzt jemand anderes. Ich setzte mich somit an die Station, wo der Stinkbeutel zuvor gesessen hat und hoffe nur, dass ich mir keinen Plaque oder Pilz an der Tastatur einfangen würde. Beim Tippen fragte ich mich, ob ich mir nach dem E-Mail Schreiben erst einmal die Hände abkochen müsste.
Zurück auf dem Hotelzimmer angekommen, gingen mir die Küsse noch einmal durch den Kopf und ich schlief mit einem Lächeln im Gesicht ein.

Fortsetzung folgt…

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