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Just.Mike. – Album Drei Dreiviertel

Mit „Drei Dreiviertel“ schließt Just.Mike. sein auf vier Alben angelegtes Musikprojekt ab – und verweigert sich dabei bewusst der glatten Vollendung. Der Titel klingt nach unvollendetem Kreis, nach einem letzten Glas, das nie ganz leer wird, und genau darin liegt die Stärke dieses Albums: Es erzählt Lebensgeschichten, die Narben tragen, weiteratmen und sich jeder perfekten Schlussformel entziehen. Zwischen Selbstironie, Sehnsucht, Wut, Einsamkeit und scharf beobachtetem Alltagswahnsinn bewegt sich Just.Mike. mit bemerkenswerter Leichtigkeit durch deutsche Pop-, Chanson- und Cabaret-Momente. Songs wie „100 Gründe geb‘ ich Dir“ oder „Gestern, Heute, Morgen“ zeigen eine verletzliche, reflektierte Seite, die Hoffnung nicht kitschig, sondern hart erarbeitet wirken lässt. Gleichzeitig beweist das Album mit Stücken wie „Interkontinentaler Pippi-Club“, „Hotel International“ oder „Ich will kein Drama“ ein großes Talent für satirische Zuspitzung und pointierten Humor.

Besonders stark ist dabei die Handschrift des Autors: Just.Mike. schreibt nicht aus sicherer Distanz, sondern mitten aus dem Leben heraus – mal melancholisch, mal provokant, mal herrlich absurd. Queere Perspektiven, Dating-Frust, emotionale Abhängigkeiten und der Wunsch nach echter Nähe ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album, ohne je belehrend zu wirken. Stattdessen entstehen kleine Filmszenen voller schräger Figuren, verrauchten Bars, Hotelbuffets, schlaflosen Nächten und emotionalem Restgepäck. Musikalisch denkt „Drei Dreiviertel“ weniger in Genres als in Atmosphären – zwischen Kneipenpoesie, Pop-Appeal und bitter-süßem Varietégefühl.

Das vielleicht Schönste an diesem Album ist seine Ehrlichkeit: Hier will niemand perfekt erscheinen. Just.Mike erlaubt sich Widersprüche, Übertreibungen, Trotz, Sehnsucht und humorvolle Selbstentlarvung – und genau dadurch wirkt „Drei Dreiviertel“ menschlich und nahbar. Es ist kein großes Finale mit erhobenem Zeigefinger, sondern eher der letzte Drink an der Bar kurz vor Sonnenaufgang: ein wenig müde, etwas verwischt, manchmal laut lachend und im entscheidenden Moment plötzlich tief berührend.

Titelliste

01. 100 Gründe geb ich Dir 
02. Ich will kein Drama 
03. Ist das Liebe oder kann das weg?
04. Gestern, Heute, Morgen
05. Strassenköter Blues
06. Eins Zwei und die Drei

 07. Ich gehe spazieren mit Offizieren 
08. Ich schlaf nicht gern allein ein
09. Interkontinentaler Pipi-Club
10. Hotel International
11. Wut will raus
12. Die Pest

Die Geschichte zu dem Album

„Drei Dreiviertel“ ist für mich kein klassisches Abschlussalbum geworden. Eher ein Blick zurück, während man gleichzeitig schon wieder weitergeht. Viele der Texte sind wieder aus Momenten entstanden, die eigentlich ganz unscheinbar waren: ein Gespräch in einer Bar, Menschen am Flughafen, ein leerer Platz im Bett, ein Satz, der zufällig hängen bleibt, oder dieses Gefühl, nachts zu lange nachzudenken. Ich beobachte Menschen sehr genau – ihre kleinen Macken, ihre Sehnsüchte, ihre Einsamkeit hinter dem Lächeln. Und irgendwann merke ich oft: Das, was ich da beschreibe, erzählt genauso viel über mich selbst.

In den Songs steckt deshalb viel eigenes Erleben, auch wenn nicht jede Zeile eins zu eins autobiografisch ist. Manche Lieder sind fast wie Tagebucheinträge, andere eher überzeichnete Momentaufnahmen mit Humor als Schutzschild. Ich glaube, ich habe auf keinem Album zuvor so offen zwischen Leichtigkeit und Verletzlichkeit gewechselt. Da gibt es Wut, Liebeskummer, Selbstzweifel und Sehnsucht – aber eben auch Ironie, absurde Situationen und dieses Bedürfnis, trotz allem weiterzulachen.

Der Titel „Drei Dreiviertel“ war mir deshalb wichtig. Nicht „Vier“. Denn das Leben fühlt sich für mich nicht abgeschlossen an. Eher wie ein Kapitel, das weit erzählt wurde, aber bewusst kleine Leerstellen behält. Drei Dreiviertel klingt nach fast fertig – und genau das bin ich wahrscheinlich auch: geprägt von Erinnerungen, Fehlern, Begegnungen und Geschichten, die sich noch immer verändern. Dieses Album ist deshalb vielleicht die ehrlichste Momentaufnahme von mir als Just.Mike. Nicht perfekt, nicht geschniegelt, aber echt.

Jeder Song erzählt eine eigene Geschichte...

01. „100 Gründe geb‘ ich Dir“
Dieser Song ist für mich einer der persönlichsten Momente des Albums. Er entstand aus dem Gedanken heraus, wie schwer es manchmal ist, sich selbst Hoffnung zu schenken, wenn alles grau erscheint. Erst beim Schreiben habe ich gemerkt, dass die „100 Gründe“ am Ende gar nicht nur für jemand anderen gedacht waren – sondern eigentlich für mich selbst.

02. „Ich will kein Drama“
Hier durfte mein Humor völlig frei durchdrehen. Der Song ist bewusst überzogen, verspielt und ein bisschen verrückt – fast wie ein bunter Cartoon nach einer zu langen Nacht. Gleichzeitig steckt dahinter aber auch der Wunsch, sich von toxischen Menschen und unnötigem Stress fernzuhalten und das Leben nicht immer bierernst zu nehmen.

03. „Ist das Liebe oder kann das weg?“
Dieser Text entstand aus Beobachtungen in Cafés, Bars und auf Social Media. Ich hatte oft das Gefühl, dass Beziehungen heute manchmal mehr inszeniert als wirklich gelebt werden. Hinter der Ironie steckt deshalb auch Sehnsucht nach etwas Echtem, Unperfektem und ehrlicher Nähe.
Der Titel allerdings hat seine Wurzeln in meiner Abi-Zeit, wenn die Geschichte dahinter Dich interessiert, frag mich!

04. „Gestern, Heute, Morgen“
Der Song ist wie ein inneres Gespräch mit verschiedenen Versionen meiner selbst. Ich habe mich oft dabei ertappt, entweder zu lange in Erinnerungen zu hängen oder mir Sorgen über die Zukunft zu machen. Beim Schreiben wurde mir klar, wie wichtig es ist, das Leben genau jetzt wahrzunehmen – mitten im Moment.

05. „Strassenköter Blues“
Dieser Song ist wahrscheinlich einer meiner ehrlichsten und gleichzeitig schamlosesten Texte und die Fortsetzung meines Songs „Strassenköter“ auf Album Zwei. Ein guter Freund namens Mayo Velvo gab mir die Anregnung die Geschichte weiter zu erzählen. Er erzählt von der seltsamen Anziehung zu Menschen, bei denen man eigentlich schon vorher weiß, dass es kompliziert endet. Hinter all dem Witz steckt aber auch die Frage, warum manche Muster immer wieder Regie im Leben führen.

06. „Eins Zwei und die Drei“
Nach vielen emotionalen Songs wollte ich einmal bewusst trotzig, frech und direkt sein. Der Song hat etwas Kindliches, fast wie ein alberner Befreiungstanz nach einer kaputten Beziehung. Für mich steckt darin die Erkenntnis, dass man Liebeskummer manchmal am besten mit Ironie und einem Mittelfinger verarbeitet.

07. „Ich gehe spazieren (mit Offizieren)“
Dieses Lied ist pure Spielfreude und ist aus einer witzigen Laune heraus entstanden. Mayo Velo warf mir zwei Zeilen für den Refrain vor die Füße und sagte „Mach da nen Song draus!“
Nun erzählt der Song davon, wie Humor und Flirts manchmal helfen können, Sorgen und dunkle Gedanken für einen Moment leiser zu machen.

08. „Ich schlaf’ nicht gern allein ein“
Hier wird es sehr nah und verletzlich. Der Song handelt von dieser stillen Einsamkeit nachts, wenn alles ruhig wird und man merkt, wie sehr einem Nähe fehlt. Viele Zeilen darin sind direkt aus echten Gefühlen entstanden, weil Einsamkeit oft nicht laut ist – sondern ganz leise neben einem liegt.

09. „Interkontinentaler Pippi-Club“
Ich liebe es, absurde Alltagssituationen zu beobachten, und ein Flug nach Hurghada ist dafür ein wahres Geschenk. Der Song überspitzt diese völlig verrückte Dynamik in Flugzeugen zwischen Urlaubssehnsucht, Chaos und menschlichen Eigenarten. Eigentlich ist es eine kleine satirische Liebeserklärung an den Wahnsinn des Reisens.

10. „Hotel International“
Dieser Song entstand aus Urlaubseindrücken in einem Stadthotel in Hurghada, bei denen plötzlich Menschen aus allen möglichen Ländern auf engem Raum zusammentreffen. Ich fand diesen Mix aus Fremdheit, Party, Missverständnissen und trotzdem gemeinsamer Stimmung unglaublich faszinierend. Hinter dem Humor steckt die schöne Erkenntnis, dass Menschen sich oft auch ohne gemeinsame Sprache verstehen können.

11. „Wut will raus“
Das Schreiben dieses Songs war fast befreiend, es ist um ehrlich zu sein eine Hausaufgabe die ich von meiner Psychotherapeutin bekommen habe.
Ich wollte zeigen, dass Wut nicht immer zerstörerisch sein muss, sondern manchmal auch der erste Schritt sein kann, sich selbst endlich ernst zu nehmen. Für mich ist das Lied ein emotionaler Befreiungsschlag gegen zu langes Schweigen und ständiges Funktionieren.

12. „Die Pest“
Dieser Song ist absichtlich drastisch und emotional roh geblieben und wurde bereits 2000 von mir getextet.  Im Ursprung ist der Text auf die Melodie von Tina Turners „The Best“ geschrieben worden.
Aber wie das nunmal mit Urheberrechten ist, musste eine eigene Melodie her.
Liebeskummer ist nicht immer poetisch oder würdevoll – manchmal denkt man hässliche Dinge, weil man verletzt wurde. Mir war wichtig, diese ungefilterte Seite ebenfalls zu zeigen, auch wenn sie unbequem ist, denn genau solche Gefühle gehören ebenso zu echten Geschichten dazu.