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Just.Mike. – Album Zwei

Das zweite deutschsprachige Album von Just.Mike. ist kein bloßes Sammlungspaket aus Popsongs – es wirkt wie ein musikalisches Tagebuch zwischen Großstadtnächten, Selbstsuche und emotionalen Narben. Mit erstaunlicher Offenheit erzählt das Album von Einsamkeit, queerer Identität, Sehnsucht, familiären Brüchen und dem verzweifelten Wunsch, trotz allem weiterzutanzen. Schon der Opener „Melodien“ feiert Musik als Rettungsanker und emotionales Gedächtnis, bevor Songs wie „Ich steh auf und tanz allein“ oder „Ich will leben“ den Kampf gegen Angst, gesellschaftlichen Druck und innere Dunkelheit in hymnische Refrains verwandeln.

Just.Mike. bewegt sich dabei stilistisch zwischen modernem Popschlager, poetischem Synthpop und düsterem Chanson-Flair. Besonders stark: die atmosphärische Bildsprache in „Göttlich und Gefährlich“, das bittersüße Großstadtbegehren von „Straßenköter“ und die digitale Entfremdung in „Alles dreht sich“. Gleichzeitig erlaubt sich das Album bewusst leichte, fast provokant charmante Momente wie „Süße Jungs“, bevor es mit „Die Synapsen tanzen Tango“ tief in mentale Zerrissenheit und Selbstreflexion eintaucht.

Emotionaler Höhepunkt ist jedoch das intime „Mama“, das ohne Pathos von emotionaler Distanz, Kindheitserinnerungen und still gebliebener Liebe erzählt. Auch „Für immer bei Dir“ und „Weil die Zeit uns nie gehört“ zeigen eine ungewöhnliche Reife im Umgang mit Vergänglichkeit und Verlust. Das Finale „Spiegelbilder“ schließt das Album schließlich wie ein ehrlicher Blick in den eigenen Spiegel: verletzlich, melancholisch, aber versöhnt.

Was dieses Album besonders macht, ist die Mischung aus Direktheit und Poesie. Mike schreibt nicht aus sicherer Distanz – diese Songs fühlen sich erlebt an. „Album Zwei“ ist deshalb weniger ein kalkuliertes Popprojekt als vielmehr ein emotionales Gesamtwerk über Menschen, Erinnerungen, Sehnsucht und den Mut, sich selbst auszuhalten.

Titelliste - "Album Zwei"

 01. Melodien
02. Ich steh auf und tanz allein
03. Göttlich und gefährlich
04. Strassenköter 
05. Alles dreht sich
06. Dein Name steht jetzt an meiner Tür
07. Ich will leben
08.
Ich hör den Wölfen nicht mehr zu

09. Für immer bei Dir
10. Süsse Jungs
11. Die Synapsen tanzen Tango
12. Ich bin traurig, weil die Zeit immer schneller vergeht
13. Mama
14. Weil die Zeit uns nie gehört  
15. Spiegelbilder

Die Geschichte zu dem Album

Dieses Album ist für mich kein Konzept auf dem Reißbrett gewesen. Es entstand in Nächten, in denen ich zu lange wach blieb, Menschen beobachtete, alte Erinnerungen wiederfand und manchmal an meinen eigenen Gedanken fast erstickte. Viele Texte sind aus Situationen entstanden, die andere vielleicht gar nicht bemerkt hätten: ein Blick in der Straßenbahn, ein schweigendes Gespräch mit der eigenen Mutter, einsame Tänzer in Bars, flüchtige Begegnungen, leere Nachrichtenfenster oder das Gefühl, nachts neben jemandem zu liegen und trotzdem allein zu sein.

Ich habe gemerkt, dass mich besonders die Dinge inspirieren, die zwischen den Zeilen passieren. Das Ungesagte. Die Spannung zwischen Sehnsucht und Angst. Zwischen Nähe und Selbstschutz. Genau deshalb ziehen sich Themen wie Vergänglichkeit, innere Unruhe, Liebe, Verlust und Identität durch fast alle Songs. Die Texte sind sehr nah an meinem eigenen Leben, andere wiederum sind Beobachtungen von Menschen, in denen ich Teile von mir selbst erkannt habe.

„Album Zwei“ ist eine ehrlichste Sammlung meiner Texte. Nicht, weil fast jeder Satz autobiografisch ist, sondern weil jede Emotion darin echt ist. Ich wollte keine perfekte Welt beschreiben, sondern das Chaos dahinter: die Zweifel, das Verlangen, die Einsamkeit, aber auch diesen unzerstörbaren Wunsch, trotz allem weiterzufühlen und weiterzugehen.

Beim Schreiben hatte ich oft das Gefühl, mich selbst Stück für Stück besser zu verstehen. Songs wie „Die Synapsen tanzen Tango“ oder „Spiegelbilder“ sind fast wie innere Monologe geworden, während andere Titel eher Momentaufnahmen meines Umfelds sind – Menschen, die kamen, gingen, verletzt haben oder selbst verletzt waren. Musik wurde dabei für mich eine Art Übersetzer für Gefühle, die sich im Alltag nur schwer aussprechen lassen.

Vielleicht ist dieses Album deshalb so persönlich geworden: Weil ich irgendwann aufgehört habe, mich hinter den Texten zu verstecken. Die „Büchse der Pandora“ die in meiner Psychotherapie geöffnet wurde bekommt mit vielen meiner Texte ein Gesicht.

Jeder Song erzählt eine eigene Geschichte...

01. „Melodien“
Mit diesem Song wollte ich zeigen, wie sehr Musik Menschen tragen, retten und verbinden kann. „Melodien“ ist eine Liebeserklärung an die Musik selbst und an das Gefühl, sich in ihr wiederzufinden. Ursprünglich hatte ich diesen Text auf die Melodie von Valentina Monetta – Maybe (Forse), einem ESC Beitrag von Ralph Siegel geschrieben. Aber manche Urheber sind ja leider sehr eigen in Ihren Kompositionen, daher bekam dieser Text ein neues musikalisches Gewand – in diesem Sinne ein Recycling einer meiner älteren Texte.

02. „Ich steh auf und tanz allein“
Dieser Song entstand aus dem Gefühl heraus, trotz Angst und Überforderung nicht aufgeben zu wollen. Gerade in dunklen Zeiten kann Bewegung, Musik oder ein kleiner Moment von Hoffnung unglaublich viel bedeuten. Für mich ist das Lied wie ein stiller Protest gegen innere Resignation und Gleichgültigkeit.

03. „Göttlich und Gefährlich“
Hier geht es um Verführung, Selbstinszenierung und diese gefährliche Mischung aus Lust und emotionalem Kontrollverlust. Ich liebe die Idee, dass Menschen gleichzeitig strahlen und zerstören können. Der Song fühlt sich für mich an wie eine durchtanzte Nacht zwischen Glamour, Sehnsucht und Absturz zu der Musik der „Army of Lovers“.

04. „Straßenköter“
Dieser Titel erzählt von Männern, die frei wirken, aber oft emotional unerreichbar bleiben.
Es geht um Anziehung zu Menschen, von denen man eigentlich weiß, dass sie einem nicht guttun. Ich glaube, viele kennen dieses Muster – dieses Brennen für etwas, das nie wirklich bleibt. Inspiriert durch Bahnhofsmilieu, der Stricher und Rotlichtszene fand der Text seinen Weg ans Tageslicht.

05. „Alles dreht sich“
In dem Song wollte ich moderne Beziehungen im digitalen Zeitalter beschreiben. Wir sind ständig verbunden und gleichzeitig emotional oft weiter voneinander entfernt denn je. Hinter dem treibenden Beat steckt eigentlich eine ziemlich tiefe Einsamkeit. Anfangs fühlte der Song sich in meinen Ohren wie ein störender Stilbruch an und wurde dennoch zu einem zeitgemäßen Ohrwurm.

06. „Dein Name steht jetzt an meiner Tür“
Das Lied handelt von zweiter Chance, Hoffnung und der Angst, wieder verletzt zu werden. Ich wollte dieses vorsichtige Wiederöffnen des Herzens beschreiben, wenn alte Gefühle plötzlich zurückkehren. Für mich hat der Song etwas sehr Warmes und Heimkehrendes und schickt in der Umsetzung ein kleines nachbarschaftliches Augenzwinkern an die großartige Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“.

07. „Ich will leben“
Lyric-Recycling von Texten vergangener Tage:
Ursprünglich hatte ich diesen Text auf einen anderen Song geschrieben. Die Melodie von Valentina Monetta – Crisalide (Vola), einem ESC Beitrag von Ralph Siegel hätte diesen schönen Text verdient. 
Dieser Song ist wahrscheinlich einer der direktesten auf dem Album. Er erzählt vom Wunsch, endlich frei und ohne Angst leben zu können – unabhängig davon, was andere denken. Dahinter steckt viel persönliche Sehnsucht nach Selbstbestimmung und innerem Frieden, bedingungslos ohne nach hinten zu blicken.

08. „Ich hör den Wölfen nicht mehr zu“
Mit den „Wölfen“ meine ich Menschen, Stimmen und gesellschaftliche Dynamiken, die Angst, Hass und Zweifel verbreiten – egal ob aus Medien, Politik oder dem persönlichen Umfeld.
Der Song ist mein Versuch, mich innerlich davon zu lösen und meiner eigenen Stimme wieder mehr Raum zu geben. Manchmal ist Ruhe die stärkste Form von Widerstand.

09. „Für immer bei Dir“
Dieses Lied war emotional schwer zu schreiben, weil es Abschied und bedingungslose Liebe miteinander verbindet.
Zusammen mit Martin Leander, inspiriert von Jennifer Rush’s „Power of Love“ entstand dieser Text bereits 1994. Es geht um das Versprechen, bei einem Menschen zu bleiben – selbst dann, wenn die gemeinsame Zeit begrenzt ist. Für mich steckt darin viel Zärtlichkeit und Traurigkeit zugleich.

10. „Süße Jungs“
Nach vielen ernsten Themen wollte ich bewusst einen spielerischen, frechen Song auf dem Album haben. Ich entdeckte meinen alten Text von 200o wieder, der ursprünglich als eine melodische Antwort auf „Oh, Pretty Woman“ von Roy Orbison entstanden war.
Natürlich steckt auch hier Wahrheit drin: diese Mischung aus Schwärmerei, Oberflächlichkeit und kleinen emotionalen Katastrophen. Der Titel nimmt das Ganze aber mit mindestens einem Augenzwinkern.

11. „Die Synapsen tanzen Tango“
Dieser Song beschreibt mein Gedankenkarussell wahrscheinlich am ehrlichsten. Wenn der Kopf nie stillsteht, wird selbst Ruhe irgendwann laut. Besonders die „Jekyll & Hyde“-Metapher war mir wichtig, weil sie den inneren Konflikt zwischen Kontrolle und dunklen Impulsen zeigt.
Erlebter Burnout, Heulattacken, erwachten Traumata, innere Zerissenheit und tiefen Enttäuschungen sind das Fundament dieses Tangos: „Wie Mike du hast einen Burnout? Sind Deine Synapsen jetzt durchgeknallt? Geht es jetzt in die Klapse?“

12. „Ich bin traurig, weil die Zeit immer schneller vergeht“
Der Titel kam tatsächlich zuerst – einfach als Gedanke, der plötzlich da war und mich nicht mehr losließ. Ich glaube, je älter man wird, desto bewusster spürt man Vergänglichkeit, Erinnerungen und Abschiede. Der Song ist mein melancholischer Blick auf genau dieses Gefühl.
Ein Lied bei dem mein eigener Text mich immer wieder neu zu Tränen rührt und mir weh und zu gleich gut tut! Ich glaube dieser Text und die Umsetzung haben mich selbst am stärksten von allen geschriebenen Liedern auf diesem Album bewegt.

13. „Mama“
„Mama“ gehört zu den persönlichsten Songs des Albums. Ich wollte keine Anklage schreiben, sondern ehrlich über emotionale Distanz, unausgesprochene Verletzungen und trotzdem vorhandene Liebe sprechen. Manche Beziehungen bleiben kompliziert, auch wenn man längst erwachsen ist.
Mama – Ob sie ihn irgenwann gehört hat? Diese Frage kann nur sie beantworten.

14. „Weil die Zeit uns nie gehört“
Dieser Song fasst vieles zusammen, was mich emotional beschäftigt: Vergänglichkeit, Erinnerungen und die Frage, wie wir unsere Zeit nutzen. Trotz aller Melancholie steckt darin aber auch Hoffnung und Lebenslust. Für mich ist das Lied wie ein Tanz gegen die Endlichkeit.
Der Text entstand beim Schreiben von „Ich bin traurig, weil die Zeit immer schneller vergeht“ und faßt die Zeilen zusammen die in dem anderen Song keinen Platz gefunden haben und ich dennoch für wertvoll und erwähnenswert empfand.

15. „Spiegelbilder“
Das Finale sollte wie ein stiller Blick zurück auf das eigene Leben wirken. Der Song handelt davon, sich selbst ehrlich anzusehen – mit Fehlern, Narben, verlorenen Jahren, aber auch mit neuem Verständnis für die eigene Geschichte. Er entstand durch meine ersten Therapiestunden und dem neuen Blickwinkel auf mich selbst, meine Welt und meinen vergangenen Erfahrungen.
„Spiegelbilder“ ist für mich ein versöhnlicher Abschluss dieses Albums.

Meine Top 3 Clips - (Alle Lyric Videos auf YouTube...)

Just.Mike. 
Ich bin traurig, weil die Zeit immer schneller vergeht

Just.Mike. 
Die Synapsen tanzen Tango

Just.Mike. 
Ich hör‘ den Wölfen nicht mehr zu